back home       current source is   http://www.men-kau-ra.de/hayek.html
Back - to the root       i.e. http://www.men-kau-ra.de/realitaet.html#top
Back - to the index / stichwortverzeichnis       i.e. http://www.men-kau-ra.de/contents.html
-- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

Die Freiheit des Einzelnen und das Sicherheitsdenken - Der Weg zur Knechtschaft - The Road to Serfdom: F. A. Hayek


Die rassistischen Wurzeln des Neokonservatismus - Nach Bush, Das Ende der Neokonservativen und die Stunde der Demokraten: Paul Krugman



Die Freiheit des Einzelnen und die bequeme Einfachheit einer geplanten Welt
Sicherheitsdenken tötet die Freiheit
Verwechseln der Ziele des Sozialismus mit dem Weg zu ihnen
Verwechslung des Marxismus mit dem Sozialismus
Der nationalsozialistische Sozialstaat (Exkurs)
[Der amerikanische Neoliberalismus 1]

Aus       Friedrich August von Hayek
      (Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften 1974)
Der Weg zur Knechtschaft - The Road to Serfdom - (London, 1944)
[Kommentare von men-kau-ra: so, lange auch so]

"Es gibt nur zwei Möglichkeiten, entweder eine Ordnung unter der unpersönlichen Disziplin des Marktes oder eine vom Willen weniger Individuen beherrschte Ordnung, und diejenigen, die darauf ausgehen, die erste zu zerstören, helfen - wissentlich oder unwissentlich - die zweite aufzurichten." p 174

"Eine Bewegung, deren hauptsächliche Verheißung die Entlastung von der Verantwortlichkeit ist, muss notwenigerweise antimoralische Wirkungen haben, mag sie auch von noch so hohen Idealen ausgegangen sein." ....
"Es ist wahr, dass die Tugenden, die heute weniger geschätzt und geübt werden - Unabhängigkeitssinn, Selbsthilfe, die Bereitschaft, ein Risiko auf sich zu nehmen und seine Überzeugung gegen eine Mehrheit zu vertreten, und der Wille zur Zusammenarbeit mit den anderen -, gerade diejenigen sind, auf denen das Getriebe der individualistischen Gesellschaft beruht." p 184f

.... "Weder ein allmächtiger Superstaat noch eine lose Vereinigung von >>freien Nationen<< muss unser Ziel sein, sondern eine Gemeinschaft von Nationen freier Menschen." p 205

"Planwirtschaft ist die Anwendung der Ingenieurtechnik auf die ganze Nation." p 113

- - -     - - -     - - -

Sowohl der Liberalismus als auch der Sozialismus streben nach Freiheit und Gleichheit. Der sozialismus aber definiert die begriffe um: "Die Demokratie dehnt die Sphäre der individuellen Freiheit aus, der Sozialismus dagegen schränkt sie ein. Die Demokratie erkennt jedem einzelnen seinen Eigenwert zu, der Sozialismus degradiert jeden einzelnen zu einem Funktionär der Gesellschaft, zu einer bloßen Nummer. Demokratie und Sozialismus haben nur ein einziges Wort miteinander gemeinsam: die Gleichheit. Aber man beachte den Unterschied: während die Demokratie die Gleichheit in der Freiheit sucht, sucht der Sozialismus sie im Zwang und in der Knechtung." Alexis de Tocqueville, Oeuvres completes Bd IX, Paris, 1866, p546 (geschrieben 1848)
[Anmerkung: Wer in der Freiheit etwas anderes sieht als sie selbst, ist zum Diener geschaffen. Manche Völker jagen der Freiheit unablässig nach, durch alle Gefahren und Nöte hindurch. Dann lieben sie an ihr nicht die materiellen Güter, die sie ihnen bringt, sie betrachten sie selbst als ein so kostbares und notwendiges Gut, dass kein anderes sie über ihren Verlust trösten könnte, und dass sie sich über alles hinweg trösten, wenn sie nur sie genieß. Andere werden ihrer mitten in ihrem Glück müde; sie lassen sie sich widerstandslos aus der Hand reissen, aus Furcht, bei einer Anstrengung den Wohlstand zu gefährden, den sie doch ihr verdanken. Was fehlt diesen, um frei bleiben zu können? Nun was? Eben der Wunsch, frei zu sein. Man erwarte nicht von mir, diesen edlen Wunsch zu zergliedern. Er muss empfunden werden. Er senkt sich von selbst in die großen Herzen, die Gott für ihn vorbereitet hat, er erfüllt, er entflammt sie. Man muss darauf verzichten, ihn den mittelmäßigen Seelen, die ihn nie verspürt haben, verständlich zu machen.
Alexis de Tocqueville, Das Zeitalter der Gleichheit, Eine Auswahl aus dem Gesamtwerk, Stuttgart 1954]
Der begriff der freiheit wird verändert von "freiheit von despotie und willkür anderer" in "freiheit von not, vom zwang der umstände" und damit in ein synonym von "macht und reichtum". Durch all dies kann es geschehen, dass liberale im sozialismus ein vermeintliches erbe der liberalen tradition sehen ohne sich klar zu sein darüber, dass der sozialismus zum gegenteil der freiheit führen kann. ".... der Stalinismus, statt besser, schlimmer ist als der Faschismus, unbarmherziger, barbarischer, ungerechter, unmoralischer, antidemokratischer, ohne durch eine Hoffnung oder ein Bedenken gemildert zu werden .... dass man besser daran täte, ihn als einen Superfaschismus zu bezeichnen." Eastman, Max (alter Freund Lenins), Stalin's Russia and the Crisis of Socialism, London, 1940, p82
"Der vollständige Bankerott des Glaubens, man könne zu Freiheit und Gleichheit durch den Marxismus gelangen, hat Russland auf denselben Weg zu einem totalitären, rein negativen und nicht-ökonomischen Gesellschaftssystem der Unfreiheit und Ungleichheit getrieben, den Deutschland gegangen ist. Nicht als ob Kommunismus und Faschismus dasselbe wären. Faschismus ist das Stadium, das erreicht wird, nachdem der Kommunismus sich als Illusion herausgestellt hat, und er hat sich im Russland Stalins als eine ebenso große Illusion erwiesen wie im vorhitlerischen Deutschland." Drucker, Peter, The End of Economic Man, 1939, p230
So haben auffällig viele der führenden männer im faschistischen Italien Mussolinis, auch dieser selbst, wie im nationalsozialistischen Deutschland als sozialisten begonnen. Bei all dem wird auch der demokratische sozialismus mit eingeschlossen als nicht verwirklichbare illusion. Ein gängiges missverständnis ist die identifizierung der ziele des sozialismus mit dem sozialismus an sich, der ja auch aus dem wege zur verwirklichung dieser ziele besteht. Und der streit zwischen den liberalen und den sozialisten wird geführt über den weg, nicht die ziele. Der sozialismus ist eine idee aus der menge der kollektivistischen ideen. Und diesen eigen ist das streben nach einer zentral gelenkten planwirtschaft. Während der liberalismus lediglich die rahmenbedingungen schaffen will für all die darin verwirklichbaren individuellen (lebens)pläne.
Allgemein wird nicht argumentiert, die planwirtschaft sei wünschenswert, sondern sie sei eine zwangsläufige entwicklung im gefolge des technischen fortschrittes. Meist jedoch wird dies nicht näher ausgeführt. Untersuchungen in den USA 1941 zeigen: großbetriebe sind nicht effizienter als kleinere, das optimum liegt vor dem erreichen einer überwiegend monopolistischen struktur. Die monopolisierung ist nicht folge der technik, sondern regierungspolitischer maßnahmen und geheimabsprachen etc. Insbesondere in jungen industriellen volkswirtschaften wie e.g. USA und Deutschland greift die monopolisierung um sich, in Deutschland ab 1878 systematisch bedingt durch schutzzölle etc. In Großbritannien erfolgte mit der einführung des protektionismus (1929?) schlagartig eine umgestaltung und monopolisierung der wirtschaft.
Die geistesgeschichte ab etwa 1870 zeigt die willkür der gesellschaftlichen entwicklung und nicht deren zwangsläufigkeit [und damit SICHERHEIT], wie von den planwirtschaftlern behauptet.
Offensichtlich ist allerdings auch die zunehmende komplizierung des wirtschaftsprozesses und damit die schwierigkeit des umfassenden begreifens [und damit SICHER wissens] desselben. Dies macht für die planwirtschaftler eine koordination der einzelprozesse durch eine zentrale leitung unvermeidlich, soll sich die gesellschaft nicht im chaos auflösen. Doch kann dies nicht durch ein zentralorgan erfolgen, sondern lediglich durch ein allgemein doch dezentral wirkendes agens, welches den marktteilnehmern die für sie jeweils notwendigen informationen übermittelt: den preismechanismus. Dieser aber kann nur funktionieren bei vorherrschend wettbewerblich organisiertem markt.
Auffällig viele technisch sachverständige finden sich unter den planwirtschaftlern. Dies rührt aus der hoffnung der "spezialisten", in einer planwirtschaft ihr jeweiliges durch ihre stets begrenzte sicht sich ergebende anliegen zur verbesserung oder bewahrung der welt umsetzen zu können. Dass enthusiasmus und fanatismus nahe beieinander liegen, erhellt die gefährlichkeit dieser im rahmen einer wettbewerbswirtschaft wertvollen menschen, lässt man sie gewähren. Sie, das sind e.g. rationalisierungsfanatiker, gesundheitsfanatiker, technikfeinde, umweltbewahrer, mobilitätsenthusiasten etc mit ihrer jeweiligen absicht. Es gibt beispiele geplant besser oder überhaupt erst durchführbarer projekte, doch ist die bewahrung der freiheit stets wertvoller als das projekt.
Ebenso wie das enthusiastische individuum will nun die planwirtschaft die kraft der gesellschaft(sordnung) auf ein einziges (gemeinsames) ziel richten, stets als "gemeinwohl" etc bezeichnet. Soll dies real umgesetzt werden, ist ein umfassender moralkodex nötig, welcher jedem seinen platz in der weltordnung anweist. Die in unserer gesellschaft ab(ge)laufen(d)e entwicklung zur aufhebung des (minutiösen) ritus und die beschränkung des moralkodex auf allgemeine grenzziehungen würde hierdurch vollständig umgekehrt; davon abgesehen, dass diese ordnung unmöglich zu realisieren wäre. Deshalb sieht der Individualismus die erkenntnis und weltsicht des individuums stets als beschränkt und sein wirken als partikulär, weshalb die gesellschaft der individuen als ganze die entwicklung voranbringt als summe der einzelaktivitäten innerhalb der bestimmten grenzen. Dies hat nichts mit egoismus oder dessen verherrlichung zu tun [aber mit statistik].
Vereinigen werden sich die individuen am ehesten zu gemeinsamen zielen, die mittel zur erreichung vieler verschiedener zwecke und nicht selbst endzweck sind.
Bereits 1928 herrschte der deutsche staat in form lokaler und zentraler behörden über 53% des volkseinkommens [staatsquote] und damit über die volkswirtschaft.
Auf dem weg zur installierung einer planwirtschaft liegt das problem, mehr übereinstimmung unter den individuen voraussetzen zu müssen, als wirklich besteht. So müssen im parlament komplexe gesetze etc behandelt werden, die sich nicht mehr diskutieren und lösen lassen, was zu einer politik der ermächtigungen für einzelne behörden etc führt. Paradoxer weise zerfällt damit die möglichkeit eines allumfassenden planes. Das parlament wirkt wie eine "schwatzbude", der ruf nach vollmachten für regierung / behörde / einzelperson wird laut, um etwas durchzusetzen. Dies führt zum zerfall der demokratie, zu diktatur und Hitler.
"Demokratie ist nur um den Preis zu haben, dass allein solche Gebiete einer bewussten Lenkung unterworfen werden können, auf denen eine wirkliche Übereinstimmung über die Ziele besteht, während man andere Bereiche sich selbst überlassen muss." Die Demokratie regelt nur das, was sie unter wahrung des prinzips der übereinstimmung kann. Die planwirtschaft muss zentral alles regeln, kann nicht auf mehrheitsbildungen warten, womit notwendig eine minorität die macht erhält. Demokratie ist aber nur möglich in einem auf privateigentum und wettbewerb beruhenden wirtschaftssystem.
Demokratie ist nicht allein durch das wahlverfahren gewährleistet. Sie kann durch setzung einer aufgabe, welche anwendung der staatsgewalt voraussetzt, die sich nicht an festen normen orientieren kann, zur (frei gewälten) willkürherrschaft werden.
Jeder einzelne muss das verhalten des staates voraussehen können, um sie in seine eigenen pläne einbauen zu können. Für den Rechtsstaat ist die existenz einer norm, stets ohne ansehen der person angewandt, wichtiger als die art der norm selbst. "Der Staat sollte sich auf die Setzung von Normen beschränken, die sich auf allgemeine typische Situationen beziehen und sollte den Individuen Freiheit in allem lassen, was von den zeitlichen und räumlichen Umständen abhängt, weil nur die jeweils in Frage kommenden Individuen volle Kenntnis dieser Umstände haben und ihnen ihre Akte anpassen können. .... je mehr der Staat >>plant<<, das Planen für den Einzelnen umso schwieriger wird." "Unparteiisch sein heißt nämlich, bestimmte Fragen unbeantwortet lassen - jene Art von Fragen, die wir gegebenenfalls durch Abzählen an den Knöpfen entscheiden." Der rechtsstaat ist ein system der vertragsfreiheit. Notwendig also folgt aus einer politik der materiellen oder substanziellen gleichheit der individuen der widerspruch zu deren gleichheit vor dem gesetz, muss man sie doch verschieden behandeln, um ihnen dieselben objektiven lebensbedingungen zu verschaffen. Kant (Voltaire neu formulierend): "Der Mensch ist frei, wenn er keiner Person, sondern nur den Gesetzen zu gehorchen braucht."
"Möglicherweise hat Hitler seine unbeschränkten Vollmachten in einer streng verfassungsmäßigen Weise erlangt, so dass alle seine Handlungen daher in juristischem Sinne legal sind. Aber wer wollte daraus schließen, dass in Deutschland noch immer das Prinzip des Rechtsstaates herrscht?" Wo doch der anwendung staatlicher gewalt keine grenzen gesetzt sind, sie nicht mehr länger im voraus festgelegten normen folgen muss. [Dass das NS-rechtssystem eine "fortsetzung" des rechtsstaates war, zeigt sich auch in dem umstand, dass es nicht gelang, die richter gleichzuschalten; so wurde zBsp hühnerdiebstahl nach wie vor als mundraub behandelt, von anderen richtern jedoch wegen wehrkraftzersetzung mit der todesstrafe belegt]
Das strafrecht des rechtsstaates folgt dem prinzip "nulla poena sine lege" - keine bestrafung ohne (bestehende(s), einschlägige(s)) recht(svorschrift). Im totalitären staat wird daraus "nullem crimem sine poena" - kein verbrechen ohne strafe, ob diese nun durch gesetz vorgeschrieben ist oder nicht.
Konsequente planwirtschaftler sagen: in einer rational geordneten welt wird es keine menschenrechte sondern nur pflichten geben. Der schutzwall der persönlichkeitsrechte darf höchstens im extremfall krieg überschritten werden [weshalb der gottesstaat unter präses Bush 2001 der welt ("des terrors") den (permanenten) krieg erklären musste]. Minoritäten lassen sich erfahrungsgemäß rücksichtslos unterdrücken, ohne jemals den gesetzlichen minderheitenschutz dem buchstaben nach zu verletzen. Planwirtschaftler wissen, dass die planwirtschaft nur mit einer diktatur machbar ist und trösten damit, diese betreffe ja doch "nur" wirtschaftliche fragen. Dies kann jedoch nicht funktionieren, da es keine eigentlichen wirtschaftlichen motive gibt - diese sind immer mittel zum zweck
(cf. Exkurs sozialwesen der ns-diktatur). Das bedeutet, das wirtschaftliche kommando ist untrennbar verbunden mit dem kommando über das mittel für all unsere ziele. Das planungszentrum gibt nun die (zu verwirklichenden) ziele vor. Viel wichtiger jedoch als die organisation des konsums durch die planwirtschaft ist die reglementierung (standardisierung) der berufswahl mit der damit für die individuen verbundenen unfreiheit [cf. den film "Gattaca"]. Damit ist die planwirtschaft enger als das ständewesen, welches nur die arbeitsteilung des erwerbslebens betraf, den damals noch viel größeren bereich der selbstversorgung jedoch nicht.
Auch die beschränkung auf die abschaffung des kapitaleinkommens ist kein gangbarer weg. Im Russland der 1930er betrug das verhältnis der höchsten zu den niedersten einkommen ebenso wie in den USA etwa 50:1. Andererseits vernichtet die ersetzung der vielen eigentümer durch den einen staat freiheit: anstatt des einen reichen, dem er entfliehen kann hätte nun der zuständige funktionär macht über den einzelnen.
Auch lässt sich die planwirtschaft nicht auf die produktion beschränken, die einkommen frei lassend [verkaufspreise können ja nicht unabhängig von den einkommen der produzenten festgelegt werden].
Seelisch ist eine durch anonyme marktkräfte verursachte ungleichheit leichter zu ertragen als eine durch die konkrete regierung auferlegte.

Mangels genügend großer unterstützung in der bevökerung beschränken sich die sozialisten darauf "größere freiheit" zu wollen. Doch ist dies, völlig anders als das positive ideal absoluter gleichheit, etwas rein negatives, ausdruck der unzufriedenheit mit den bestehenden zuständen.
"Mit einer festen Regel wie derjenigen der Gleichheit mag man sich abfinden und ebenso mit Zufall oder äußerer Notwendigkeit; aber dass eine Handvoll Menschen jeden einzelnen wägt und ganz nach ihrem Ermessen und Belieben dem einen mehr und dem anderen weniger gibt, wäre nur erträglich, wenn es sich um Menschen handeln würde, die für Übermenschen gehalten werden und sich in eine Sphäre übernatürlicher Schrecken hüllen." Mill, John Stuart, Principles of Political Economy, Buch II, Kap. I, § 4, London, 1865.
Das problem der vereinheitlichung der ziele für die vielen gruppen der gesellschaft meinen die sozialisten durch erziehung lösen zu können. Doch rein aus bildung und wissen kann keine einheitliche sittliche auffassung erstehen; es ist ein wertesystem durch einen glauben nötig, es muss ein system der abrichtung installiert werden (dessen sich das nationalsozialistische wie das faschistische system bedienen ohne viel hinzu erfinden zu müssen).
Der sozialismus teilt grundsätzlich die gesellschaft in zwei klassen: arbeiter und kapitalisten - der mittelstand verschwindet.
(cf. Exkurs sozialwesen der ns-diktatur). Arbeiter werden als `alte mitglieder der bewegung' bevorteilt [bei der neuordnung des tarifsystemes 2004 sollen nach willen der gewerkschaften deren mitglieder besser gestellt werden als andere]. Doch entsteht eine neue `mittelschicht' in form von verwaltungsangestellten, lehrern, kaufleuten etc. Diese werden jedoch nicht entsprechend den arbeitern unterstützt. So entsteht eine neue, zu kurz gekommene arbeiteraristokratie. Verdient dann ein akademisch gebildeter ingenieur einen bruchteil des gehaltes eines mitgliedes der stärksten arbeitergewerkschaften, nimmt nicht wunder, dass im anfang die mitglieder der nationalsozialistischen bewegung im durchschnitt schlechter bezahlt waren als diejenigen der älteren sozialistischen partei. In Italien gab es den begriff des "umgekehrten klassenkampfes". Ein hoher prozentsatz der nationalsozialisten und faschisten rekrutierte sich aus der unteren mittelklasse. Sie fühlten sich berechtigt, mitglieder der führenden klasse zu sein [cf. umfrage das magazines "Der Spiegel" nach den landtagswahlen 2004 im deutschen osten: auch hier signifikant mehr zustimmung zu der aussage "ich hätte besseres verdient als ich erhalte" (sinngemäß) unter wählern der rechten als in der gesamten wählerschaft]. Doch verabscheuen sie wegen ihrer sozialistischen erziehung die "profitmacherei" und das risiko, streben in sichere, fest besoldete abhängige stellungen.
Die ernstafteste bedrohung der freiheit erwächst aus dem allgemeinen STREBEN NACH SICHERHEIT. Dabei ist zu unterscheiden zwischen der sicherung der existenz gegen schwere körperliche entbehrungen, unfall, erdbeben (mindesteinkommen) sowie andererseits sicherheit des besonderen einkommens, auf das jemand anspruch zu haben glaubt. Die erste art von absicherung ist in unserer wohlstandsgesellschaft unzweifelhaft möglich und sinnvoll; das problem dabei ist die höhe der absicherung (bei wahrung der internationalen freizügigkeit [armutsmigration]). Prinzipiell steht die gewährleistung größerer sicherheit nicht im widerspruch zu der individuellen freiheit. Eine besondere frage ist die des umganges mit arbeitslosigkeit. Hier ist zu beachten, dass die sicherung eines unveränderlichen einkommens nur um den preis der unfreiheit in der berufswahl zu haben ist. Tatsächlich wird diese sicherheit nicht allgemein angestrebt, sondern immer nur von fall zu fall gewährt [zBsp staatliches eingreifen bei drohender insolvenz eines großbetriebes], was ungerecht ist und demnach durch eine bloße existenzsicherung ersetzt werden muss.

Planwirtschaft ist die anwendung der ingenieurtechnik auf die ganze nation. Entweder hat das individuum entscheidung und risiko, oder aber beides ist ihm abgenommen. Es gibt entsprechend den "kommerziellen" und den "militärischen" gesellschaftstypus - "die sicherheit der kaserne". Das problem beim militärischen typus ist: diejenigen, die bereit sind, ihre freiheit gegen sicherheit einzutauschen, verlangen immer auch dasselbe von den anderen, die aber ihre freiheit behalten wollen.
"Es ist unwahrscheinlich, dass in einer Gesellschaft, die die Freiheit gewöhnt ist, viele Menschen bereit sein würden, die Sicherheit bewusst um diesen Preis zu erkaufen."
[Anmerkung: Ist Gleichheit wichtiger als Freiheit? Nach einer Allensbach-studie glauben das 51% der ostdeutschen immer noch, nur 36% würden im `Zweifel' die Freiheit wählen, was 50% der bundesbürger insgesamt täten; doch ganze 40% sind eindeutig für den vorrang von Gleichheit vor Freiheit. Das land, in dem man gerne leben würde ist für 49% der wessis und 70% der ossis eines mit garantierter sozialer sicherheit. Nur 29% west und 23% ost können mit einem staat etwas anfangen, der auf regulierungen und zwänge weitgehend verzichtet, in dem man `sein Leben selbst in die hand nehmen kann'. `brand eins' wirtschaftsmagazin, ausgabe 01/2005 (mit schwerpunkt `Freiheit')
Protektionismus im bereich der arbeitsplätze führt zu restriktionismus, betroffene [arbeitslose] können nirgendwohin auswandern, es droht also massenarbeitslosigkeit: das STREBEN NACH SICHERHEIT erhöht also letztlich arbeitslosigkeit und unsicherheit für große teile der bevölkerung.
Zwei klassen also auch hier: (geschützte) arbeit habende versus arbeitslose (von der sicherheit ausgeschlossene). Nicht mehr die unabhängigkeit verleiht rang und ansehen, sondern die sicherheit, mehr die pensionsberechtigung als das vertrauen in die tüchtigkeit eines jungen mannes machen ihn begehrenswert als ehegatten [cf. Robert Bly zur unerreichbarkeit der vaterrolle in der armut]. In Deutschland war stets ein größerer teil des volkes im hinblick auf den krieg organisiert als in anderen ländern, doch war die gesellschaft auch sonst mehr militärisch organisiert als andere, ein großer teil der bevölkerung sah sich als beamtet, nicht selbständig; das land selbst rühmte sich als beamtenstaat. Benjamin Franklin fasst die frage der sicherung so: "Diejenigen, die wesentliche Freiheiten aufgeben, um ein wenig Sicherheit für den Augenblick zu erkaufen, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit."
[Anmerkung: Prof. Dr. Ludwig Erhard (Wirtschaftsminister und Bundeskanzler): Ich bin in der letzten Zeit allenthalben erschrocken, wie übermächtig der Ruf nach kollektiver Sicherheit im sozialen Bereich erschallte ... Hier liegt ein wahrlich tragischer Irrtum vor, denn man will offenbar nicht erkennen, dass wirtschaftlicher Fortschritt und leistungsmäßig fundierter Wohlstand mit einem System kollektiver Sicherheit unvereinbar sind.
Wohlstand für alle, Anaconda Verlag GmbH Köln 2009, p286f (Erstausgabe 1957)]

Die sozialisten schreckten vor der zur realisierung ihrer ziele notwendigen gewaltanwendung zurück, warteten auf das wunder der majorität. Andere jedoch hatten begriffen, dass in einer geplanten gesellschaft lediglich eine genügend starke einzelgruppe notwendig ist. Diese wird ziemlich sicher eher von den schlechtesten als von den besten der gesellschaft gebildet, denn je gebildeter, desto differenzierter die weltsicht und damit eine "rangordnung" der werte schwieriger. Der bodensatz der gesellschaft wird vermehrt durch die indoktrination der leichtgläubigen ohne starke eigene überzeugung.
Eine einigung auf negatives wie zBsp den hass gegen einen feind oder den neid [cf. hierzu Alexander Mitscherlich] auf bessergestellte scheint stets einfacher als einigung auf positive aufgaben [das Jesus-prinzip: anstatt dem lebbaren vorbild nachzustreben töten wir lieber das vorbild]. So ist der judenhass in Deutschland eine folge des kapitalistenhasses.
Der Kollektivismus ist stets partikularismus einer bestimmten klasse, rasse, nation. (cf. Exkurs sozialwesen der ns-diktatur). Der partikularismus ist begründet vor allem in der durch eine gruppe gewährten sicherheit für ein schwaches individuum: um teil der gruppe sein zu können, werden die eigenen aggressiven instinkte innerhalb der gruppe unterdrückt und im durch die gruppe bedingten überlegenheitsgefühl gegen gruppenfremde ausgelebt. Die meisten planwirtschaftler sind "wilde nationalisten".
Das moralsystem der kollektivistischen gesellschaft unterscheidet sich fundamental von dem einer freiheitlichen darin, dass es dem einzelnen nicht mehr die freiheit lässt, dem eigenen gewissen zu folgen. Der satz `der zweck heiligt die mittel' ist für die individualistische ethik die negierung jeder moral, wogegen sie in der kollektivistischen ethik zur obersten norm wird - `zum wohle des ganzen' (natürlich). Der einzelne ist der person des führers mit leib und seele ergeben, muss völlig prinzipienlos und jeder handlung fähig sein [was den einzelnen vermeintlich jeglicher verantwortung enthebt, da ja nur der pflicht, dem auftrag des kollektives nachkommend]. Befriedigt werden nur die machtinstinkte, das vergnügen, zu befehlen.
Ein system funktioniert umso besser, je mehr menschen an die ziele glauben. Dies führt zur anwendung von propaganda, nicht vielfältig [werbung], sondern totalitär auf eine bestimmte wirkung abgestimmt. Damit wird jegliche moral vernichtet, da die wahrheit missachtet wird. Da ein in sich geschlossenes moralsystem in der praxis nicht widerspruchsfrei definiert werden kann, wird die schaffung eines (neuen) mythos nötig. Dabei ist die beste methode zur indoktrination, zu behaupten, das was die besten schon immer gesagt haben, sei bisher nur falsch verstanden worden - alte worte werden mit neuem inhalt gefüllt. Platons "edle lügen" dienen dem gleichen zweck wie die rassenlehre der nationalsozialisten oder wie die theorie des kooperationsstaates Mussolinis. [Und der kirchlichen verfälschung der lehren Jesu] Selbst mathematik und physik sind dem parteiinteresse unterzuordnen. "Die Wissenschaft und die Kunst um der Kunst willen sind bei den Nationalsozialisten in gleichem Maße verrufen wie bei den Kommunisten und unseren sozialistischen Intellektuellen." .... "Es ist die Tragödie des kollektivistischen Denkens, dass es darauf ausgeht, die Vernunft allbeherrschend zu machen, aber damit endet, sie zu vernichten, weil es den Prozess missversteht, von dem das Wachstum des Vernunftwissens abhängt." .... "Der Individualismus ist daher eine Haltung der Demut angesichts dieses sozialen Prozesses und der Duldsamkeit gegenüber anderen Meinungen." Die generation vor dem dritten reich stand nicht im gegensatz zum sozialistischen sondern zum liberalen gehalt des marxismus, zu seinem internationalismus und demokratismus, die der verwirklichung des sozialismus im wege standen. Damit näherten sich die sozialisten den rechten in einem zusammenschluss der antikapitalistischen und antiliberalen kräfte.
"Solange der theoretische Sozialismus marxistischer Prägung die deutsche Arbeiterbewegung dirigierte, trat das autoritäre und nationalistische Element für einige Zeit in den Hintergrund. Aber nicht für lange." Johann Plenge, professor, Marx-kenner, in `1789 und 1914. Die symbolischen Jahre der Geschichte des politischen Geistes', Berlin, 1916, stellt das ideal der freiheit von 1789 dem ideal der organisation von 1914 gegenüber. "In der Organisation erblickt er, wie alle Sozialisten, deren Sozialismus auf der groben Anwendung wissenschaftlicher Ideale auf die Probleme der Gesellschaft beruht, das Wesen des Sozialismus. Hier lag, wie er mit Recht betont, die Wurzel der sozialistischen Bewegung in ihren Anfängen in Frankreich zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Marz und der Marxismus haben diesen Grundgedanken des Sozialismus durch ihr fanatisches, aber utopisches Festhalten an der abstrakten Idee der Freiheit verraten." Plenge sieht die 1914 in der kriegshysterie geschaffene kriegswirtschaft als "die erste wirklich gewordene >>sozialistische<< Gesellschaft".
Bereits von sozialistischen denkern wird die fähigkeit, zu organisieren der "deutschen Rasse" zugewiesen. [Der ultrarechte geschichtsphilosoph] Oswald Spengler schreibt 1920 (`Preußentum und Sozialismus, München): "Altpreußischer Geist und sozialistische Gesinnung, die sich heute mit dem Hasse von Brüdern hassen, sind ein und dasselbe."
"Für Spengler waren Männer wie Hardenberg [Karl August Reichsfreiherr, ab 1810 als Staatskanzler Leiter der preußischen Politik, Ziele: Beseitigung feudaler Privilegien, Bauernbefreiung, 1810 Gewerbefreiheit ein, 1812 Judenemanzipation] und Humboldt [Wilhelm Freiherr von, u.a. 1809 unter Freiherr vom und zum Stein Leiter des Kultus- und Unterrichtswesens in Preußen] und alle anderen liberalen Reformer >>englisch<<." "Der Kampf gegen den Liberalismus in allen seinen Formen, den Liberalismus, der Deutschland besiegt hatte, war die gemeinsame Idee, die Sozialisten und Konservative in einer einzigen Front vereinigte."
Viele britische autoren haben das denken der deutschen aus dem 19. und 20. jahrhundert übernommen. Viele eigenheiten, ehemals als "typisch deutsch" angesehen, sind nun im UK alltäglich. Wissenschaftler sind leicht von totalitären ideen infizierbar. Gefahr geht von der gemeinsamen unterstützung des organisierten kapitales als auch der organisierten arbeiterschaft für die monopolisierung der wirtschaft aus, die in den totalitarismus führen wird. "Die Entscheidungen, die die Leiter solch einer organisierten Industrie ständig zu treffen hätten, sind solche, die keine Gesellschaft Privatleuten auf die Dauer zugestehen würde." "Das jüngste Anwachsen des Monopolismus ist weitgehend auf die bewusste Zusammenarbeit des organisierten Kapitals und der organisierten Arbeiterschaft zurückzuführen, durch die die privilegierten arbeitergruppen an den Monopolgewinnen auf Kosten der Allgemeinheit und besonders der Ärmsten teilnehmen, nämlich auf Kosten der in den weniger gut organisierten Industrien Beschäftigten und auf Kosten der Arbeitslosen." [Siehe auch das zitat ganz oben]
In unserer generation [Hayek's] herrscht "Ökonophobie", das "Ende des Wirtschaftsdenkens" wird beschworen, es herrscht entschlossenheit, sich keiner norm zu unterwerfen, deren logischer grund nicht eingesehen wird. Vor allem in fragen der moral, und hier ist diese haltung oft lobenswert, doch gibt es andere gebiete, auf denen die verweigerung, sich unverstandenen dingen zu unterwerfen zur vernichtung unserer kultur führen muss. Es ist unmöglich, die komplexe realität als ganze zu verstehen, auch in der planwirtschaft ist dem so. Die gesellschaft lässt sich nicht in derselben weise beherrschen, wie die natur [cf Positivismus].
In friedenszeiten darf die freiheit nicht durch unterordnung unter einen "Alleinzweck" beschränkt werden, auch nicht unter den der "Vollbeschäftigung". Eine daran ausgerichtete politik wird die produktivität der arbeit senken. "Es klingt sehr hochgemut, wenn man sagt >>Zum Teufel mit der Wirtschaft, bauen wir uns eine anständige Welt!<< - in Wirklichkeit aber ist es nur Mangel an Verantwortungssinn. Wie die Dinge heute nun einmal liegen, wo sich alle darin einig sind, dass die materiellen Bedingungen da und dort verbessert werden müssen, besteht die einzige Aussicht auf eine anständige Welt darin, dass wir in Zukunft imstande sind, das wirtschaftliche Durchschnittsniveau zu heben. Das einzige, was die moderne Demokratie nicht überleben wird, ist die Notwendigkeit einer wesentlichen Senkung des Lebensstandards im Frieden oder auch nur ein lang anhaltender Stillstand des wirtschaftlichen Fortschritts.
"Im Vergleich zu den meisten anderen Völkern waren noch vor zwanzig Jahren fast alle Engländer Liberale - wie sehr sie auch vom Parteiliberalismus abweichen mochten." [Siehe auch die zitate aus seite 184 unterhalb des titels]
Solange jedes land beliebige maßnahmen ergreifen kann, gleich wie schädlich für andere, kann es keine internationale ordnung oder dauernden frieden geben. Wenn an stelle der beziehungen von individuen diejenigen von staaten treten, welche die produktivkräfte als nationales eigentum ansehen, führt dies zu reibung und neid. Planwirtschaft mag funktionieren innerhalb einer familie oder gar eines dorfes, doch nicht e.g. in Westeuropa, selbst wenn die herrschende macht selbstlos wäre und nicht eine "Herrenrasse" wie Deutschland unter Hitler. Auch die erfahrungen mit der kolonialpolitik zeigen, dass "helfen" um den preis des aufzwängens von wertmaßstäben und idealen erfolgt. In einer "Weltplanwirtschaft" würden zweifellos die reicheren länder von den ärmeren mehr gehasst als in einer freien wirtschaft. Wer will die entscheidungen fällen, wessen bedürftigkeit größer, wessen arbeit mehr wert ist etc? "Wir brauchen eine internationale politische Instanz, die zwar nicht die Macht hat, den Völkern zu befehlen, was sie tun sollen, aber imstande sein muss, sie von Handlungen zurückzuhalten, die anderen schaden." .... "Der Föderalismus ist natürlich nichts anderes als die Anwendung des demokratischen Prinzips auf die internationalen Beziehungen, die einzige bis jetzt gefundene Methode für friedliche internationale Veränderungen." .... "Nirgends hat die Demokratie funktioniert ohne ein hohes Maß von lokaler Selbstverwaltung ...."
.... “Weder ein allmächtiger Superstaat noch eine lose Vereinigung von >>freien Nationen<< muss unser Ziel sein, sondern eine Gemeinschaft von Nationen freier Menschen.” .... “Der leitende Grundsatz, dass eine Politik der Freiheit für den Einzelnen die einzige echte Politik des Fortschritts ist, bleibt heute so wahr, wie er es im 19. Jahrhundert gewesen ist.”


[Anmerkung zu Platons "edlen Lügen":
Hayek bezieht sich auf den passus: "Und das glauben wir doch, dass für Körper, die keiner Arzneien bedürfen, sondern nur einer guten Lebensordnung willig zu folgen, alsdann auch wohl ein schlechter Arzt hinreichen könne, wenn aber Arzneien angewendet werden müssen, dann, wissen wir, bedarf es eines tüchtigen Arztes. - Richtig. Aber weshalb sagst du das? - Deshalb, sprach ich: Es scheint, dass unsere Herrscher allerlei Täuschungen und Betrug werden anwenden müssen zum Nutzen der Beherrschten. Und wir sagten ja, alles dergleichen sei nur nach Art der Arzenei nützlich." (Platon, Politeia, 459c)
Platon geht von dem gedanken aus, niemand tue freiwillig unrecht (sondern aus unwissenheit) (Gorgias, 474b, 475e). Rechtspflege dient der befreiung von ungerechtigkeit (Gorgias, 478a). Natürliches recht steht über positivem recht (Gorgias, 469cff). Menschen, Götter, Himmel und Erde bleiben nur durch gemeinschaft bestehen, weshalb die weisen die welt als ganzes und geordnetes sehen, nicht als chaos und verwirrtheit (Gorgias, 508a). Besserung des bürgers ist das ziel des staatsmannes (Gorgias, 513c) was eine angemessene erziehung impliziert. Diese wird dargestellt im “Höhlengleichnis” (Politeia, 514aff) mit der folgerung, dass erziehung nur als um-bildung der ganzen seele möglich ist (Politeia, 518bff). “.... die Idee des Guten .... für alle die Ursache alles Richtigen und Schönen ist, im Sichtbaren das Licht und die Sonne ... erzeugend, im Erkennbaren aber sie allein als Herrscherin Wahrheit und Vernunft hervorbringend, und dass also diese sehen muss, wer vernünftig handeln will, es sei nun in eigenen oder in öffentlichen Angelegenheiten.” (Politeia, 517c, cf auch “Sonnengleichnis” 508aff).
Platon fordert die personalunion von philosoph und könig: “Kennst du nun, sprach ich, eine andere Lebensweise, welche aus der bürgerlichen Gewalt wenig macht, als die der echten Philosophie?” (Politeia, 517c) “Wenn nicht, sprach ich, entweder die Philosophen Könige werden in den Staaten oder die jetzt so genannten Könige und Gewalthaber wahrhaft und gründlich philosophieren und also dieses beides zusammenfällt, die Staatsgewalt und die Philosophie, die vielerlei Naturen aber, die jetzt zu jedem von beiden einzelnen hinzunahen, durch eine Notwendigkeit ausgeschlossen werden, eher gibt es keine Erholung von dem Übel für die Staaten, lieber Glaukon, und ich denke auch nicht für das menschliche Geschlecht, noch kann jemals zuvor diese Staatsverfassung nach Möglichkeit gedeihen und das Licht der Sonne sehen, die wir jetzt beschrieben haben.” (Politeia, 473cf). (cf
Hegel - Systemprogramm)
Platons staatstheorie sieht den untergang der oligarchie durch ein sich verschlucken an der geld/machtgier unausweichlich bedingt; sie wird zu einer demokratie, allerdings kollektivistischer ausprägung mit gemeinsamem eigentum (Politeia, 557a, 464aff). Die demokratie ist bedroht durch die klasse der die freiheit missbrauchenden (geldgierigen oligarchen) (Politeia, 564d). Das volk steht auf und sucht sich einen starken mann als führer. Hieraus entsteht die tyrannei (Politeia, 565cff). Der tyrann muss zur erhaltung seiner macht die guten beseitigen und kriege führen um dem volk die kraft zum widerstand zu rauben (Politeia, 566dff) [der beispiele hierzu gibt es zur genüge, nicht nur 1933 und 2001]. “Und dies wäre nun, wie es scheint, die ganz eingestandene Tyrannei; und das Volk, wie man zu sagen pflegt, wäre, weil es schon dem Rauch der Knechtschaft, wie sie unter Freien ist, entgehen wollte, in die Flamme einer von Knechten ausgeübten Zwingherrschaft hineingestürzt und hätte statt jener übergroßen und unzeitigen Freiheit die unerträglichste und bitterste Knechtschaft angezogen.” (Politeia, 569b-c)]
Zum verständnis der Politeia (“der Staat”) ist zu beachten, dass sie eine dialektische abhandlung der frage ist, ob gerechtigkeit oder ungerechtigkeit besser sei (cf auch das glück des rechtschaffenen in Gorgias, 470e). Sokrates/Platon wählt den staat als beispiel, da er in dessen größe und komplexität seinen kerngedanken besser (stärker) verdeutlichen kann (Politeia, 369a); somit wird der im (einzelnen) menschen sich vollziehende bildungsprozess (hin zu weisheit und glückseligkeit) auf der bühne des staates (stadt, polis) aufgeführt. Der von ihm entwickelte staat wird von Platon als nicht verwirklichbares idealbild (bildliche entwicklung / entfaltung seiner ideale (gemäß ihrer inneren logik), insbesondere sonne der gerechtigkeit und erziehung zur weisheit) angesehen (473af). Der “idealstaat” ist ein gegenentwurf zu dem scheitern aller anderen verfassungen (Buch VIII, 543aff). Seine totalitäre ausprägung setzt harmonische zustände voraus, dem geiste einer weisen person entsprechend, jeder teil des ganzen nimmt den ihm zustehenden, nicht “gleichen”, platz ein/an etc (Buch V - VII).

Siehe aber dringend auch
hier Hannah Arendts Interpretation Platons als Versuch, das Handeln freier politischer Individuen durch das Herstellen von Gewalt zu ersetzen


back up
              mehr zu Platon





[Exkurs über die Sozialpolitik der NS-Diktatur:
    Aus der Serie `Der Zweite Weltkrieg', Der Spiegel 10/2005.
    Teil VI: Die Raubgemeinschaft - Wie die Nazis das deutsche Volk bei Laune hielten.
    Die Wohlfühl-Diktatur. Von Götz Aly.
... die NS-Herrschaft als Gefälligkeitsdiktatur ... Zu den Begünstigten zählten 95 Prozent der Deutschen. Sie empfanden den Nationalsozialismus nicht als System der Unfreiheit und des Terrors, sondern als Regime der sozialen Wärme, als eine Art Wohlfühl-Diktatur. ...
Exemplarisch für das nach innen gerichtete völkische Gleichheitsversprechen standen die Napolas, die ... Nationalpolitischen Erziehungsanstalten, und die ganz ähnlichen Adolf-Hitler-Schulen. ...
Parallel dazu schuf die NS-Regierung eine für die meisten Deutschen angenehme kriegssozialistische Umverteilungsgemeinschaft. Die materiellen Mittel dafür bezog sie aus zwei Quellen: Zum einen wurde den wohlhabenden Deutschen genommen und den wenig oder nur durchschnittlich bemittelten gegeben; zum anderen, und das in höherem Maß, flossen die Gelder von beraubten "Fremdstämmigen" - den enteigneten Juden Europas, den Zwangsarbeitern, den Angehörigen unterworfener Völker - zu den gehätschelten Volksgenossen. ...
Die nach dem November-Progrom von 1938 verfügte sogenannte Judenbuße von einer Milliarde Reichsmark erhöhte die Staatseinnahmen um mehr als sechs Prozent. Zusammen mit den Erträgen aus der Reichsfluchtsteuer und den staatlichen Arisierungserlösen machte sie im Reichshaushalt 1938/39 rund zehn Prozent des Gesamtaufkommens an Steuern und Abgaben aus. Warum die willkürliche Zwangsabgabe zu Lasten einer kleinen, insgesamt keinesfalls besonders wohlhabenden Bevölkerungsgruppe genau zu diesem Zeitpunkt verhängt wurde, erschließt sich aus dem offiziellen Jahresrückblick des Finanzministeriums für 1938. Ausgerechnet für den Monat November heißt es dort: "Dass das Reich zahlungsunfähig wurde, stand unmittelbar bevor." ... Der SD notierte: Anders als das Progrom selbst hätten die "Sühnegesetze in der Bevölkerung überall Anklang gefunden". ...
Für die durchschnittlichen Steuerzahler wurden [im Krieg] lediglich Bier und Zigaretten teurer. ... Mit den Reichen und den Unternehmen ging die Regierung Hitler weit weniger zartfühlend um. So stieg die Körperschaftsteuer bis auf 55 Prozent. Hinzu kamen die ab 1941 wirksame Gewinnabführung und der Einkommensteuerzuschlag, der die Normalsteuer der Besserverdienenden seit September 1939 um 50 Prozent erhöhte. ...
Wer die Massen aber auf derart populistische Weise schonte, der musste einen hauptsächlich auf Raub angelegten Krieg führen ... Zwischen August 1941 und dem 31. Januar 1942 starben zwei Millionen sowjetische Kriegsgefangene in den Lagern der Wehrmacht, vor allem an den Folgen der katastrophalen Versorgung. Im Casino in Riga unterhielten sich Wehrmachtoffiziere über ihren "Auftrag, die russischen Kriegsgefangenen verhungern und erfrieren zu lassen".
Der Zweck dieses Hungermordens bestand darin, die deutsche Wehrmacht komplett "aus dem Lande zu ernähren" und zudem Lebensmittel ins Reich zu transportieren, um deutsche Mütter, Kinder und Alte, kurz die Heimatfront, bei Laune zu halten. ...
Schon vor dem Krieg gegen die Sowjetunion war im Mai 1941 auf höchster Ebene erörtert worden, welche Konsequenzen der beabsichtigte Lebensmittelraubzug haben sollte: "Hierbei werden zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn von uns das für uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird." Lässt man die Zerstörungen und die massiven Ertragsrückgänge außer Acht, die der Angriffskrieg bewirkte, dann raubten die Deutschen nach den geheimen Angaben des Statistischen Reichsamts in den Agrarjahren 1941/42 und 1942/43 den Grundbedarf für 21 Millionen Menschen aus den besetzten Teilen der Sowjetunion. ...
Im Sommer 1942 stand die NS-Führung innenpolitisch vor dem Abgrund. Die Reichsgetreidereserve ... hatte ... den tiefsten Punkt in der gesamten Kriegszeit erreicht. Die auskömmliche, die Stimmung erhaltende Ernährung der deutschen Zivilbevölkerung konnte kaum mehr gewährleistet werden. ...

Hitler erreichte die Mehrheitsfähigkeit seiner Politik und seiner Kriegszüge im Wesentlichen nicht mit den Mitteln des politischen Fanatismus, sondern mit den bis in die Gegenwart geschätzten und gut bekannten Techniken des Sozialstaats. "Innerhalb des deutschen Volkes", so formulierte er das Leitmotiv des nationalen Sozialismus, "höchste Volksgemeinschaft und Möglichkeit der Bildung für jedermann, nach außen aber absoluter Herrenstandpunkt!"
Materieller Ausgleich und soziale Aufwärtsmobilisierung im Inneren, kollektiver und schnell spürbarer Wohlstand für das Herrenvolk auf Kosten so genannter Minderwertiger, so lautete die wenig komplizierte, in Deutschland populäre Zauberformel des NS-Staats.
Sie erklärt zwanglos, warum sich nach 1945 die meisten Deutschen noch lange mit positiven Gefühlen an die NS-Zeit erinnerten, aber die Verbrechen nicht in das lebensgeschichtliche Selbstbild integrieren konnten ...
Der Nationalsozialismus bezog seine verführerische Kraft nicht aus der speziellen Nähe zum großen Geld, sondern aus der insgesamt sozialstaatlich ausgelegten Kombination von Rassen- und Klassenpolitik. Mit materieller Umverteilung verbunden, senkte die NS-Führung die Klassengrenzen im Inneren - während sie die Rassen- und Nationalitätengrenzen nach außen erhöhte und gleichzeitig für räuberische Zwecke durchbrach. In dieser Mixtur vereinigten sich die Ideen nationaler und sozialer Homogenisierung. Die beiden im 19. Jahrhundert entwickelten, historisch oft als Gegensatz ausgeprägten Varianten des Gleichheitsgedankens gingen in Deutschland eine virulente, mehrheitsfähige, in den Konsequenzen völkermörderische Verbindung ein ...

back up `Planwirtschaft'
back up `Zwei Klassen'
back up `Partikularismus'






Die rassistischen Wurzeln des Neokonservatismus
Besser selbst nicht krankenversichert sein, als dass der Schwarze es ist - von der Bedeutung der öffentlichen Gesundheitsvorsorge für die USA
Minimalisierung des Staates und Maximalisierung der Ungleichheit in den USA während der neokonservativen Episode
[Der amerikanische Neoliberalismus 2]

Aus       Paul Krugman
      (Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften 2008)
Nach Bush - Das Ende der Neokonservativen und die Stunde der Demokraten - (New York, 2007; Bonn, 2008)
[Kommentare und Ergäzungen von men-kau-ra: so, lange auch so]

Das Rassenproblem .... liegt dem zugrunde, was mit dem Land passiert, in dem ich aufgewachsen bin. Die Hinterlassenschaft der Sklaverei, der Erbsünde Amerikas, ist der Grund, warum wir die einzige hoch entwickelte Volkswirtschaft sind, die ihren Bürgern keine medizinische Versorgung garantiert. (p18)

Die von ihnen [Claudia Goldin u Robert Mango] bewusst gewählte Wendung ["die Große Kompression"], die an "die Große Depression", die Weltwirtschaftskrise erinnert, ist angebracht: Genau wie die Krise war die Verringerung der Einkommensunterschiede [zwischen den zwanziger und den fünfziger Jahren] ein bestimmendes Ereignis der amerikanischen Geschichte, etwas, wodurch das Wesen unserer Gesellschaft und Politik verändert wurde. (p46)

Nach dem Angriff auf Pearl Harbor verging jedoch nur ein guter Monat, bis Roosevelt das National War Labor Board (NWLB) wieder ins Leben rief, diesmal mit größeren Befugnissen. (p62)

Wie Goldin und Margo sagen: "Die meisten der vom NWLB angewandten Kriterien für Lohnerhöhungen dienten der Angleichung der Löhne zwischen und innerhalb von Branchen." Die US-Regierung nutzte also in der kurzen Zeit, in der sie die Löhne vieler Arbeitnehmer mehr oder weniger direkt bestimmen konnte, diese Vollmacht dazu, Amerika zu einer gleicheren Gesellschaft zu machen. Und das Erstaunliche ist, dass diese Veränderungen blieben. (p63)

Tatsache ist aber, dass von den üblen Folgen, die man bei einer drastischen Angleichung der Einkommen hätte erwarten können, nach dem zweiten Weltkrieg nicht eine einzige eintrat, ganz im Gegenteil. Der Großen Kompression gelang es, die Einkommen über mehr als 30 Jahre anzugleichen - eine lange Zeit. Zudem war die Ära der Gleichheit eine Zeit beispiellosen Wohlstands, den wir seither nicht mehr haben wiederholen können. (p64)

Aber auf die Große Kompression folgte der stärkste anhaltende Wirtschaftsaufschwung der amerikanischen Geschichte. Überdies bewies die Regierung Roosevelt, dass eines der gängigen Argumente gegen umfassende staatliche Eingriffe in die Wirtschaft - dass sie unvermeidlich eine nicht minder umfassende Korruption mit sich bringen würde - nicht zutraf. (p72)

Und die obsessive Beschäftigung mit dem Sexualleben anderer Leute war ein beständiger Faktor der Konservativen Bewegung, eine wesentliche Quelle der, äh, Leidenschaft der Bewegung. (p109)

Die Entstehung des Neokonservatismus lässt sich weitgehend auf zwei Gruppen zurückführen: die Chicagoer Ökonomen unter Milton Friedman, der die Zurückdrängung der keynesianischen Wirtschaftstheorie anführte, und eine Gruppe von Soziologen, die, angeführt von Irving Kristol und mit der Zeitschrift The Public Interest verbunden, gegen Johnsons Pläne einer Great Society rebellierten. ....
Anfang der sechziger Jahre hatte Friedman eine nahezu komplette Kehrtwendung zum Marktwirtschaftlichen Fundamentalismus vollzogen und behauptete, selbst die Weltwirtschaftskrise sei nicht durch Marktversagen, sondern durch staatliches Versagen ausgelöst worden. Sein Argument war zweifelhaft und grenzte, wie ich behaupten möchte, an intellektuelle Unredlichkeit. Doch allein die Tatsache, dass ein großer Ökonom sich genötigt sah, zu einem intellektuellen Taschenspielertrick zu greifen, zeigt schon, wie verlockend der marktwirtschaftliche Fundamentalismus ist. (p129f)

Die Doktrin der Angebotsorientierung, die ohne Beweise behauptete, dass Steuersenkungen sich bezahlt machen, hat in der Welt der professionellen Wirtschaftforschung nie Anklang gefunden, nicht einmal bei Konservativen. N. Gregory Mankiew, der Harward-Ökonom, der von 2003 bis 2005 Vorsitzender von Bushs Rat der Wirtschaftsberater war, hat die Vertreter der Supply-Side-Ökonomie in der ersten Auflage seines Lehrbuchs über die Grundlagen der Wirtschaftspolitik bekanntlich als "Spinner und Scharlatane" bezeichnet (In späteren Auflagen wurde diese Passage getilgt.) (p133)

[import arbeitsintensiver und export technisch anspruchsvoller güter führen zu einer verstärkung des lohngefälles] (p150)

Dieses Muster beziehungsweise diese Entwicklung der Ungleichheit ist ein weiterer indirekter Beweis dafür, dass marktfremde Mechanismen wie etwa Arbeitmarktinstitutionen und soziale Normen bezüglich der Ungleichheit an der Bestimmung der Vergütung beteiligt sein könnten. (Zitat Piketty und Saez) (p152)

Die starke Spreizung der Einkommen seit den siebziger Jahren ist mit anderen Worten nichts anderes als die Umkehrung der Großen Kompression. In den dreißiger und vierziger Jahren wurden Institutionen geschaffen, und Normen aufgestellt, welche die Ungleichheit begrenzten; seit den siebziger Jahren wurden diese Institutionen und Normen geschleift, mit dem Ergebnis wachsender Ungleichheit. Der Institutionen-und-Normen-Ansatz fasst den Aufstieg und Niedergang Mittelschicht-Amerikas zu einer einzigen Geschichte zusammen. (p155)

... kann man exorbitante Spitzengehälter als ein nicht so sehr im engen Sinne wirtschaftliches, sondern als ein soziales und politisches Phänomen auffassen: Die hohen Einkommen sind nicht aufgrund einer gestiegenen Nachfrage nach Talenten in die Höhe geschossen, sondern weil die Empörung durch verschiedene Faktoren abgetötet wurde. (p161)

Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre wurde mindestens jeder 20. Arbeitnehmer, der für eine Gewerkschaft stimmte, illegal gefeuert, und es gibt Schätzungen, wonach es sogar jeder achte war. (p167)

Der Unterschied zwischen den Parteien ist also keine Einbildung. Republikaner senken Steuern für die Reichen und versuchen, staatliche Sozialleistungen zu kürzen und den Wohlfahrtsstaat zu untergraben. Demokraten erhöhen die Steuern für die Reichen und versuchen, staatliche Sozialleistungen auszubauen und den Wohlfahrtsstaat zu stärken. (p175)

Aber nach Reagan wurde die Republikanische Partei durchgreifend radikalisiert. Schauen wir in die Programmerklärung der Republikanischen Partei von Texas im Jahre 2004, die einen Eindruck davon vermittelt, was die treuen Parteianhänger wirklich denken; nationale Programmerklärungen müssen zumindest den Anschein von Mäßigung erwecken, aber in Texas können Republikaner noch Republikaner sein. Darin wird die Abschaffung von Bundesämtern gefordert, " inklusive, aber nicht beschränkt auf die Behörde für Alkohol, Tabak und Schusswaffen; die Stelle des Leiters der Bundesgesundheitsbehörde; das Bundesamt für Umweltschutz; das Energieministerium, das Ministerium für Wohnungsbau und Städteplanung, das Gesundheitsministerium, das Bildungsministerium, das Handels- und das Arbeitsministerium". Das Programm fordert ferner die Privatisierung der Sozialversicherung und die Abschaffung des Mindestlohns. Faktisch wollen die Republikaner von Texas den New Deal komplett aufheben. (p178)

Politisch stehen die Vereinigten Staaten seit langem rechts von anderen hoch entwickelten Ländern. .... (zitat Alberto Alesina, Edward Glaeser, Bruce Sacerdote von Harvard, "Why Doesn't the US Have a European-Style Welfare State?" National Bureau of Economic Research Arbeitspapier No 8524, Oktober 2001:) Rassenzwietracht bestimmt in entscheidendem Maß die Ansichten über die Armen. Da Minderheiten unter den ärmsten Amerikanern stark überrepräsentiert sind, werden alle einkommensbezogenen Umverteilungsmaßnahmen besonders in Richtung der Minderheiten umverteilen. Im Kampf gegen eine linke Politik haben die Gegner der Umverteilung immer wieder zu rassischer Rhetorik gegriffen. In allen Ländern ist rassische Zersplitterung ein starker Prädiktor für Umverteilung. In den Vereinigten Staaten ist Rasse der wichtigste Prädiktor für Bejahung der Sozialhilfe. Die getrübten Rassenbeziehungen Amerikas sind eindeutig ein wichtiger Grund für das Fehlen eines amerikanischen Wohlfahrtsstaates. (p196)

Je höher der schwarze Anteil an der Bevölkerung eines Staates ist, desto niedriger sind generell die Sozialausgaben pro Kopf. (p197)

Doch für die Erklärung des politischen Erfolgs der Konservativen ist die Religion nicht annähernd so wichtig wie die Rasse. (p211)

Doch trotzdem müssten die Steuersenkungen [durch die Bush administration für die reichen] sehr unpopulär sein, weil 60 Prozent der Bevölkerung Jahreseinkommen von unter 50000 Dollar haben. Nach den Unterlagen des Statistischen Bundesamtes haben aber weniger als 40 Prozent der Wähler Jahreseinkommen von unter 50000 Dollar [da die, meist den unteren Einkommensschichten zugehörigen, Einwanderer vom Wahlrecht ausgeschlossen sind]. Daran mag es liegen, dass man mit Steuersenkungen politisch nicht unbedingt den Kürzeren ziehen muss. (p212)

Wahlbetrug ist eine alte amerikanische Tradition .... Und die konservative Bewegung ist und war seit jeher zutiefst undemokratisch. 1957 pries die National Review Francisco Franco, der die gewählte Regierung Spaniens stürzte und eine Terrorherrschaft errichtete, als einen "Nationalhelden". (p213f)

Die Vereinigten Staaten geben für Gesundheitsversorgung pro Kopf fast doppelt so viel aus wie Kanada, Frankreich und Deutschland und fast zweieinhalb mal so viel wie Großbritannien - aber unsere Lebenserwartung liegt am Ende des Feldes.
Diese Zahlen sind so eindeutig und eine so schlagende Widerlegung der landläufigen Meinung, der private Sektor sei effizienter als der öffentliche, dass manche Politiker, Experten und Ökonomen sie schlicht leugnen. (p239)
[Anmerkung: The Economist, August 29th 2009, p53 " Reds under our meds - Developing new drugs": The new study, written by Donald Light, a visiting professor at Stanford University, claims that European drug firms are more innovative than American ones, in spite of price controls]

[2005 gaben mittelschichtfamilien weniger für luxusgüter aus als in den siebziger jahren] Die steigende Verschuldung beruhte hauptsächlich auf höheren Ausgaben für die Wohnung, die größtenteils durch den Wettbewerb verursacht wurden, in einen guten Schulbezirk zu kommen. Mittelschicht-Amerikaner gerieten nicht deshalb in einen erbarmungslosen Konkurrenzkampf, weil sie gierig oder dumm waren, sondern weil sie ihren Kindern in einer zunehmend ungleichen Gesellschaft eine Chance geben wollten. (p271)

Was die Beschäftigung angeht, so haben David Card aus Berkeley und Alan Krueger aus Princeton, zwei führende amerikanische Arbeitsökomomen, in einer klassischen Studie [erschienen 1994, oftmals angegriffen, nicht widerlegt sondern bestätigt] keinen Anhaltspunkt dafür gefunden, dass eine Erhöhung des Mindeslohns in dem Umfang, wie er in den Vereinigten Staaten praktiziert wurde, Arbeitsplatzverluste nach sich gezogen hätte. (p287)

Ich glaube an eine relativ gleiche Gesellschaft, getragen von Institutionen, die Extreme des Reichtums und der Armut begrenzen. Ich glaube an die Demokratie, die bürgerlichen Freiheiten und die Herrschaft des Rechts. Das macht mich zu einem Liberalen, und ich bin stolz darauf (p293)


-- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
Back - to the index / stichwortverzeichnis       i.e. http://www.men-kau-ra.de/contents.html
Back - to the root       i.e. http://www.men-kau-ra.de/realitaet.html#top
back home       current source is   http://www.men-kau-ra.de/hayek.html